Porsche vs. Tesla

Wir schreiben das Jahr 2015. Porsche stellt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) die Konzeptstudie „Mission e“ vor. Mit diesem reinen Elektrofahrzeug will Porsche die Monopolstellung von Tesla beenden und selbst die Vormacht der Elektro-Sportwagen ergreifen.

2019 debütiert der Porsche Taycan auf der IAA als Serienmodell. Doch nicht wie so oft in der Automobilbranche wurde das außerordentliche Design der Studie verworfen, sondern die Zuffenhausener haben es geschafft das futuristische Aussehen des Mission e dem Taycan zu vererben.

Im Vorfeld hat Porsche die neuartige Technologie des 800 Volt Systems, welches eine höhere Dauerleistung, weniger Gewicht und Bauraum der Verkabelung, sowie kürzere Ladezeiten (22,5 Minuten von 5 auf 80%) hat, ausgiebig getestet. Porsche-typisch wurde die Technik zuerst im Rennsport, bei den 24 H von Le Mans im Porsche 919 Hybrid erprobt und dabei  3 mal infolge zum Gesamtsieger gekürt, bevor man den Taycan auf seine Erprobungsreise schickte.

Porsche Taycan auf der IAA (https://www.auto-motor-und-sport.de/elektroauto/porsche-taycan-2020-marktstart-elektro-sportwagen-preis-daten/)

Auf über sechs  Millionen Testkilometern wurde der Elektro-Sportwagen auf Herz und Nieren getestet. 

Bei der24-H Dauererprobung auf der legendären Hochgeschwindigkeitsstrecke in Nardò, legte das Testfahrzeug –  den 42 Grad Lufttemperatur und der enormen Belastung für Batterien und Antriebstrang trotzend – 3425 Kilometer bei konstanten „Reisegeschwindigkeiten“ von 195-215 km/h zurück.

Natürlich haben die Ingenieure aus Stuttgart ihre Vorserienversion des Taycan Turbo auch über die Nürburgring Nordschleife geschickt. Die 20,6 km mit ihren 73 Kurven und Steigungen bis zu 17% sind für jedes Auto und vor allem für E-Autos, ein ultimativer Belastungstest.             

Der Porsche Taycan auf der Nordschleife (https://newsroom.porsche.com/de/2019/produkte/porsche-taycan-rekord-nuerburgring-nordschleife-7-42-minuten-18439.html)

Eine Rekordzeit zeigt zwar keine Alltagssituation eines Taycan auf, dennoch sollte ein echter Porsche, in seinem eigenen Ermessen, auf der Straße und auf dem Track seinem ikonischem Sportwagenstatus alle Ehre machen.

In den Händen von Werkstestfahrer Lars Kern, der bereits den Rundenrekord für straßenzugelassene Fahrzeuge einholte (Porsche 911 GT2 RS MR 6:40), bezwang den Ring in 7:42. 

Somit liegen Supersportwagen wie ein Porsche 911 GT3 (997) und Ferrari 458 Italia, die für Rundstrecken konzipiert wurden, zeitgleich mit der voll elektrischen viertürigen Limousine.

So beachtlich diese Rundenzeit auch ist, Tesla sagte Porsche den Kampf an und schickte prompt zwei neue Prototypen des Model S nach Deutschland an den Nürburgring.

Der auffallende Unterschied: Der Taycan ist frisch aus der Entwicklung während Tesla das Model S seit 2011 auf der gleichen Basis ausliefert. Deswegen traten sie auf der Nordschleife auch mit einer weiterentwickelten Version an. Voraussichtlich wird es Model S P100D+ genannt und 2020 erscheinen. Neben der neuen effizienteren Raven-Motorengeneration, die in einem Plaid-Antriebslayout vorliegen (drei Elektromotoren: zwei hinten, einer vorne), haben sie ihre Testfahrzeuge bis aufs Detail modifiziert, um es möglichst schnell über den Ring zu jagen.

Das Tesla Model S angepasst auf der Nordschleife (http://radical-mag.com/2019/09/18/aufruesten/)

Vor allem die weit ausgestellten Kotflügel lassen offen, ob sie Einzug in die Serie erhalten, dazu das tiefe und aggressive Fahrzeugniveau schließen auf ein voll einstellbares rundstreckenspezifisches Gewindefahrwerk, anstatt des sonst üblichen, weichen Luftfahrwerks. Dazu spendierte Tesla den beiden Rekordjägern, die sie in die Eifel gebracht haben, neben einem Ducktail-Spoiler am Heck, eine riesige Keramikbremsanlage und ultraleichte HRE-Schmiedefelgen.

Dies alles war bisher nicht serienmäßig, geschweige denn als Sonderausstattung wählbar.

Wir werden sehen, ob das neue Modell mit einem solchen Track-Package bestellbar sein wird und ob für die Serie dann auch die am Ring verwendeten, super klebrigen Semi Slicks (Goodyear Eagle F1 Supersport RS) montiert sind.

Obwohl Elon Musk ankündigte, es handele sich um die Ausstattung mit sieben Sitzen, vermutet man, aufgrund der rundum blickdichten Scheiben, dass der Innenraum leergeräumt sein soll. Des Weiteren scheint der aufwändige Türöffungsmechanismus an der B Säule zu fehlen. Das zeigt, wie sehr das Fahrzeuggewicht auf Leichtbau getrimmt wurde.

Diese Modifikationen in den Händen erfahrener VLN-Piloten (Thomas Mutsch und Andreas Simonsen) haben laut Handstoppungen –  freilich keine offiziellen Messungen – eine sehr beachtliche Zeit von 7:23 in den Asphalt gebrannt.

Das sind Zeiten, bei denen der aktuelle Ferrari 488 GTB Coupé (7:22) oder ein Rennwagen mit Straßenzulassung, der Gumpert Apollo Sport (7:24), plötzlich fehl im Klassement wirken.

Alles schön und gut, doch die Haltbarkeit machte den Amis dann doch einen Strich durch die Rechnung.

Bei bisherigen Rundstreckentests hatten die Fahrzeuge von Tesla nach wenigen Kilometern Probleme mit überhitzenden Batterien. Somit war bisher keine schnelle Runde unter Volllast möglich, doch das neue Material der Prototypen hielt vorerst.

Gegen Ende der Testwoche bewegte ein Defekt das Team dann doch noch zur verfrühten Abreise.

Ein Prototyp ist im Bereich Hatzenbach, mit vielen neugierigen Fotografen, liegen geblieben.

Dass Porsche zeitgleich mit einem Rudel Taycan getestet hat, zog recht amüsante Bilder nach sich.

Tesla Model S bei der Erprobung noch mit Problemen (https://www.thedrive.com/news/29946/porsche-taycan-laps-broken-down-tesla-model-s-prototype-at-the-nurburgring)

Mitte Oktober kehrte Tesla für eine weitere Testwoche an den Ring zurück und brachte zwei stärker modifizierte Prototypen mit. Neben einem riesigen Diffusor und Heckspoiler, die größentechnisch einem GT4 Fahrzeug gleichkommen, wartet die Front mit vergrößerten Lufteinlässen auf.

Eine gezeitete Runde gab es trotzdem nicht, da das Wetter nicht mitspielte und ein Prototyp im Bereich Bergwerk die Grenzen der Physik in der Leitplanke gefunden hat….

Man kann gespannt bleiben, wie die weiteren Testfahrten mit dem Model S P100+  verlaufen, welche Informationen Elon Musk zum Fahrzeug preisgeben wird und vor allem welche offizielle Zeit erreicht wird.

Bei einem kann man sich aber sicher sein. Die Zuffenhausener werden den Ingenieur-Wettstreit wieder entfachen. Denn 7.42 benötigte der Taycan Turbo auf normalen Serien Straßenreifen (Goodyear Eagle F1 Asymmetric 5). Allein durch klebrigere Reifen kann man auf einem langen Kurs wie der Nordschleife 10-20 Sekunden einsparen. Hat man somit Tesla all ihre Karten ausspielen lassen, um dann mit Semi-Slicks und dem stärkeren Turbo S (761 PS statt 680PS Spitzenleistung) zurückzukommen? Oder wird sich Porsche für den Rundenrekord eine weitere stärkere Ausbaustufe einfallen lassen?

Tesla entwickelt das Model S dabei stetig weiter (https://www.roadandtrack.com/new-cars/a29566208/teslas-plaid-nurburgring-prototype-spy-shots/)
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