Audi E-tron 55 Quattro

Besser spät als nie?

Wir schreiben das Jahr 2013. Die Automobilindustrie ist noch eine Andere. Euro 5 Diesel erfreuen sich großer Beliebtheit, Elektromobilität war bisher eine absolute Randerscheinung und wurde lediglich als Spielwiese für Technologieträger benutzt. Doch einer der größten Visionäre unserer Zeit, Elon Musk, interessierte sich wie so oft nicht für die Beschränkungen einer Branche und brachte das Tesla Model S auf den Markt. Auf einmal fuhren E-Autos nicht mehr nur 150 Kilometer weit, sondern 400. So wurden sie auf einmal zur echten Alternative. Nach Dieselkrise und der durchweg positiven Annahme der frischen und neuen Art von Tesla wollen die Big Player in Deutschland nach milliardenschweren Investitionen nun in 2019 den Markt der Elektrofahrzeuge erobern.

Audi präsentiert als Tesla-Killer den Audi E-Tron, das erste rein elektrische Fahrzeug aus Ingolstadt. Mit einer Reichweite von 400 Kilometern, viel Platz und modernster Technik soll der Audi nicht nur den Tesla, sondern auch viele konventionelle Fahrzeuge abhängen. 

Ob er das schafft und wie gut ein Elektro-SUV sich im heutigen Straßenbild schlägt, haben Kevin und ich, Johannes, gemeinsam für euch bei einem Tag mit dem E-Tron rausgefunden.

Für den diesjährigen Infostand in Dresden war das Audi Zentrum Dresden wieder einmal so großzügig, uns ein Fahrzeug zu Werbe- und Testzwecken zur Verfügung zu stellen. 

Als bekennender Auspufffanatiker war meine Skepsis groß, als uns der E-tron überreicht wurde. Über die Leistung und das direkt anliegende Drehmoment bei einem Elektroauto hatte auch ich schon viel Positives gehört, aber kann so viel Power wirklich Spaß machen, wenn kein “Römpelpömpel” aus dem Auspuff kommt?

Von außen ist der E-tron eine ziemliche Erscheinung. Auf dem Parkplatz des Audi Zentrums sticht er allein durch seine schiere Größe schon heraus. Audi hat es dabei geschafft, dass das SUV direkt als Audi zu erkennen ist, gleichzeitig aber auch ein eigenständiges Design besitzt. Es ist direkt ersichtlich, dass dies kein normaler Audi ist.

Beim Öffnen des Autos fällt direkt eine große Stärke von Audi auf, welche sich durch die gesamte neue Produktpalette zieht. Leuchtgrafiken können sie einfach in Ingolstadt. So breitet sich das Leuchtband am Heck nach Öffnen des Fahrzeugs zu den Seiten aus und lässt zum Schluss noch die OLED-Panels aufleuchten. Hier kann ich nur jedem empfehlen, sich es mal live anzusehen.

Im Innenraum des E-tron geht es mit der großen Lichtershow weiter. Ambiente-Beleuchtung wohin das Auge reicht. Diese ist auch noch in 30 verschiedenen Farben einstellbar, wodurch jede Nachtfahrt zu einem Erlebnis wird.

Das mittlerweile Audi-typische Virtual Cockpit besitzt auch das Elektro-SUV. Ansonsten gleich der Innenraum dem des neuen Audi A6. Dies bedeutet zwei Bildschirme in der Mittelkonsole, einer für die Klimabedienung und einer für das allgemeine Infotainment. Grafisch macht den Ingolstädtern hier so schnell keiner etwas vor.

Der Innenraum ist ein Paradies für Technik-Begeisterte

golstädtern hier so schnell keiner etwas vor.

In Testberichten wird dabei oft die tiefe Position des Navi-Bildschirms bemängelt.

Meiner Meinung nach ist diese Kritik im Alltag aber nicht gerechtfertigt, da das Virtual Cockpit alle wichtigen Informationen so gut dargestellt, sodass sich der Blick in die Mitte in 90 Prozent der Fälle erübrigt.

Offensichtlich empfand Audi aber drei Displays im Innenraum als noch nicht ausreichend. So befindet sich auch in Fahrer- und Beifahrertür noch jeweils ein Display. Der Audi E-tron 55 Quattro ist tatsächlich das erste Großserienfahrzeug auf dem Markt, welches Kameraspiegel besitzt, um den cw-Wert zu senken.

Während es viele nur als Spielerei abtun, konnte ich dem neuen Feature einen echten Mehrwert abgewinnen. Besonders bei Nacht sind die sehr hochauflösenden Spiegel-Displays hilfreich, da die Kameras deutlich mehr Licht aufnehmen als ein herkömmliches Spiegelglas.

Ob die zarten Kameras aber zur sehr vehementen Erscheinung des E-tron passen, sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Ansonsten ist der E-tron seinem Bruder, dem Q5, beim Raumangebot sehr ähnlich. So können vier Personen inklusive Gepäck im hochwertigen Innenraum des Audi sehr bequem reisen.

Nun wollen wir aber starten. So drücke ich den Startknopf und muss direkt lachen. Natürlich wusste ich was kommt, aber keinerlei Unterschied zwischen An und Aus ist zu Beginn ein sehr seltsames Gefühl.

Das Ausparken und das damit verbundene lautlose Gleiten konnte mich direkt begeistern.

Auf der Straße angekommen, drücken wir das Gaspedal zum ersten Mal durch und der erwartete Elektropunch drückt uns in die tollen Komfortsitze des E-tron. 360 PS und 664 Newtonmeter treten mit einer solchen Vehemenz an, dass das Grinsen einem fast schon ins Gesicht gedrückt wird.

Und das alles komplett ohne Motorengeräusch. Auf einen verstärkten Sound des Elektromotors hat Audi im Gegensatz zur Konkurrenz aus Zuffenhausen beispielsweise verzichtet, was aber auch sehr gut zum Wesen des E-tron passt.

Das direkt anliegende Drehmoment begeistert dabei gar nicht so sehr beim Start aus dem Stand. Hier merkt man dem Antrieb deutlich an, dass auch er erst einmal 2,5 Tonnen Leergewicht in Bewegung setzen muss.

Beim Kickdown bei Tempo 40 allerdings wirkt es, als würden für den Audi die Gesetze der Physik nicht mehr gelten und er drückt uns einmal mehr in den Sitz.

Die Kameraspiegel sind das absolute Highlight am E-tron

Bei den bekanntlich nicht sonderlich guten Straßen in Dresden kann der E-tron seine Stärken ausspielen. Sein Luftfahrwerk, welches sich in den verschiedenen Fahrmodi anheben und absenken lässt, bügelt alle Unebenheiten und auch das Kopfsteinpflaster aus DDR Zeiten ganz entspannt weg.

 

Die Landstraße dagegen ist der liebste Ort des Elektro-Audis. Zwar fährt er sich auch hier, wieder einmal durch das fehlende Motorgeräusch, sehr entspannt, allerdings kann auch die aktive Wankstabilisierung nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier 2,5 Tonnen bewegt werden. So untersteuert der E-tron bereits frühzeitig und gehört nicht zu den großen Dynamiken.

Wer will aber auch mit einem Elektro-SUV unbedingt über die Landstraßen jagen?

 

Der E-tron Kunde interessiert sich da schon eher, auch angesichts der Reichweite von 400 Kilometern, für das Verhalten auf der Autobahn. Und das ist Audi-typisch top!

Er liegt wie ein Brett auf der Straße. Der Elektromotor beschleunigt das SUV so schnell, dass die 200 km/h Spitzengeschwindigkeit schon kurz noch dem Tempofreigabe erreicht sind. Ohne den Motorsound ist es im E-tron immer sehr leiste und selbst bei Höchstgeschwindigkeit kann man sich mit seinem Beifahrer noch entspannt unterhalten.

Durch seinen in die Breite gezogenen Singleframe-Grill und die Leuchtgrafik besitzt der Audi auch ein hohes Überholprestige.

Nun kommen wir aber zum wichtigsten Punkt bei Elektroautos. Wie steht es um die Reichweite und Ladedauer?

Auf unseren 150 Kilometern haben wir oft das das Gaspedal durchgedrückt und den Audi auch über einen längeren Zeitraum bei seiner Spitzengeschwindigkeit betrieben.

Nach unseren Testfahrt hatten wir genau 150 Kilometer Reichweite verloren, was mich sehr positiv überrascht hat. Helfen kann dabei die Rekuperation des E-tron, welche sich in drei Stufen verstellen lässt. Auf der stärksten Stufe, welche sich besonders in der Stadt lohnt, muss man nur sehr selten die Bremse selbst bestätigen.

 

Auch das Laden erwies sich als sehr simpel. An einem Schnelllader, welche es mittlerweile selbst an Discountern gibt, lädt der Audi von 5 Prozent auf 80 Prozent innerhalb von 30 Minuten. Für 100 Prozent braucht der Audi dabei noch 20 Minuten länger.

So wird der Audi zu einem guten Alltagsauto.

Bei Fahrten jenseits der 400 Kilometer wird es dann allerdings kritisch. Hier muss man sicher den ein oder anderen längeren Ladestop einplanen. Angesichts der enormen Investitionen in die Elektromobilität und der großen Fortschritte im Bereich der Batterietechnik, sollte der Audi E-tron aber beim nächsten Facelift auch auf eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern kommen.

 

Als erster rein-elektrischer Audi ist der E-tron 55 Quattro natürlich kein Schnäppchen.

Der Basispreis von 80.000 Euro lässt sich mit Zusatzoptionen wie Kameraspiegeln, Panoramadach, Navigationssystem und einer Armada an Assistenzsystemen ganz leicht in den sechsstelligen Bereich treiben. So kostet unser Testwagen mit Vollausstattung 115.000 Euro.

Der E-tron ist durch seine schiere Größe eine ziemliche Erscheinung

Fazit:

Elektropower, eine ordentliche Reichweite und schnelles Laden – nun gibt es klassische Tesla-Tugenden also auch mit vier Ringen auf dem Kühlergrill.

Kann Audi Tesla dabei nicht nur einholen, sondern auch überholen?

Meiner Meinung nach auf jeden Fall. Der Audi ist mit einer Reichweite von 400 Kilometern, 664 Newtonmeter und einer Ladezeit von 50 Minuten absolut alltagstauglich. Auch besitzt er dabei auch noch alle klassischen Audi-Tugenden, wie den sehr guten Komfort und alle Assistenzsysteme, die das Herz 2019 begehrt.

Durch den Elektroantrieb und das direkt anliegende Drehmoment hat es Audi geschafft, auch in einem so großen Reise-SUV richtig Emotionen aufkommen zu lassen.

Denn welcher Autofanatiker freut sich denn nicht, wenn er mit einem 2,5 Tonnen schweren SUV einen RS3 an der Ampel stehen lassen kann?

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